Wettbewerbstext von Viola Stocker

Polka - von VIOLA STOCKER

Der Sepp war tot. Mutter hatte mich angerufen und mir das am Telefon mit gedämpfter Stimme erzählt. Beerdigung in einer Woche, die Großmutter käme auch mit, mangels eines fahrbaren Untersatzes sollte ich abgeholt werden. Ich sagte zu.

Am Tag der Beerdigung selbst hatten wir Glück. Das sagte auch jeder, den wir vor der kleinen Dorfkirche trafen. Tante  Kati stritt sich mit meiner Großmutter, meine Mutter war bestens gelaunt und unterhielt sich mit ihren Verwandten, stellte mir diesen und jene vor.  Die Reaktion auf mich war immer die gleiche.

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Viola Stocker

"Ruhelosigkeit und Veränderung sind das Beständigste in meinem Leben ..."

Und dazu auch große Neugierde! Dies sind die Dinge, die Viola Stocker ausmachen. "Zum Schreiben kam ich zwangsläufig durch meine Einschulung, es hat mich seither nicht mehr verlassen. Dieses Jahr habe ich mich erstmals an Literaturwettbewerben beteiligt - es stand auf meiner Liste der unerledigten Dinge."

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1976 in Passau geboren, wo Viola Stocker auch Anglistik, Politikwissenschaft und Soziologie studiert hat. 2003 machte sie das erste Staatsexamen. 2004 ging sie in die USA und arbeitete am San Jose Museum of Arts.

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Kathrin Nord: Georg Turkelbaum

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Serie "Vergänglichkeit" von Rüdiger Breitbach und Tobias Roth

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Vorwort »»»»

Die Serie Vergänglichkeit »»»» kombiniert in fünf Bildern Photographien von Rüdiger Breitbach und Texte von Tobias Roth; die auf das Internet ausgerichtete Version, die hier zu sehen ist, wurde von Christoph Medicus programmiert. Der von Anfang an bestehende Gedanke, diese Kombination als Verbindung von Bild und Ton zu realisieren, konnte nun im Rahmen des LITERATURUPDATE 2010 verwirklicht werden. Ausgangspunkt der Gestaltung sowohl des Textes als auch einer möglichen Hängung der Bilder ist die Proportion der Einzelbilder.

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Die strenge formale Bindung wird scheinbar von der inhaltlichen Gegenläufigkeit der Bilder und der Texte unterlaufen: Man sieht schöne Frauen in Abendkleidern und hört Überlegungen zu Blumenstillleben. Die Texte konstituieren wie die Bilder einen eigenen, geschlossenen Sinnzusammenhang, aber die inhaltliche Bindung ist ebenso eng wie die formale.

Vergänglichkeit beschäftigt sich inhaltlich mit dem Phänomen eines normativen Schönheitsideals in Konfrontation mit der verstreichenden Zeit. Als Leitmetapher fungiert die traditionsreiche wechselseitige Ersetzung von Frau und Blume. Wie jeder Körper ist auch der Körper, der in Mode und Kunst das ästhetische Postulat einer Epoche abbildet, dem Zerfall und der Vergänglichkeit ausgesetzt. Vergänglichkeit erzählt diese Zeit und diese Bedrohung durch die Zeit in genau dem Medium, in dem dieses Postulat gegenwärtig vorrangig ausgedrückt wird: in einer Photographie, die sich der strickt graphischen Zugriffsform der Mode und den Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung hingibt. Dieser Photographie entspricht im Sinne der leitmetaphorischen Ersetzung das barocke Blumenstillleben. Beide Gattungen werden in ihrer festlichen Sinnlichkeit und kostbaren Oberfläche transparent auf den Totenschädel der Vanitas.

Flämische Blumenstillleben des sog. Goldenen Zeitalters und die photoshopgestützte (Mode)Photographie unserer Tage berühren sich stärker als nur darin, dass sie beide versuchen, eine Schönheit in sinnenverwirrender, rückhaltloser Weise zur Darstellung zu bringen. Nicht nur liegen beide Gattungen instabil auf der Grenze zwischen sog. Gebrauchskunst/Design und sog. Reiner Kunst. Die hier ausschlaggebende Gemeinsamkeit, die für das Konzept der Serie Vergänglichkeit fruchtbar gemacht wurde, ist die spezifische Herstellung der Fiktionalität und die spezifische Umgangsform, die diese Werke mit ihrer eigenen Fiktionalität pflegen. Die knappste Stichwortkette lautet in diesem Zusammenhang: Skizzierung, Komposition, Steigerung, Verleugnung.

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Das fällt auf den Betrachter zurück, wie die Frauen ins Schwarz, wie der Tautropfen vom Blütenblatt des Stilllebens.

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Wettbewerbsvideo Tobias Roth

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Kategorien Portraits

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